PROJEKTBEISPIEL - LOGISTIKKONZEPT FÜR DIE NEUE STRASSENBAHNFABRIK IN WIEN


1. Die Ausgangssituation


Bisher wurden die Straßenbahnen in den Hallen der alten Lohnerwerke in der Donaufelder Straße gebaut. Einer Fabrik, die eher an ein Industriemuseum erinnerte, als an ein modernes Straßenbahnwerk. In dieser Fabrik wurde schon alles gebaut - von der Pferdekutsche, über das Auto bis zum Motorroller. Von seiner Ausbaukapazität war das Werk auch schon lange an seiner Grenze, denn nach und nach wurde es von Wohnhäusern umzingelt, so dass es nun mitten in einem Wohngebiet stand. Um die Arbeitsplätze in Wien zu erhalten, stellte die Stadt eine Industriefläche in der Donaustadt im 22. Bezirk für einen Neubau zur Verfügung.


2. Die Aufgabenstellung


Bei Projektstart war das Werk im Bau. Der Beton floss und die Zeit lief. Bis zur geplanten Inbetriebnahme waren es noch 12 Monate. Das Produktionskonzept stand schon fest und es war klar, wo in der neuen Fabrik die einzelnen Straßenbahnmodule gebaut werden sollten. Zum ersten Mal konnte der Fertigungsprozess vom Ablauf her so gestaltet werden, wie man es in einer effektiven Fabrik erwartet. Unsere Aufgabe war es, die Materialversorgung für die verschiedenen Modulmontagen sicherzustellen. Hier ging es zum einen um die optimale und ergonomische Bereitstellung der Anbauteile in der Fabrik, wie um die Zusteuerung der Teile aus dem Schwesterwerk in Bautzen sowie von externen Lieferanten. Hierfür hatten wir 12 Monate Zeit. Bei 60.000 Teilen in 2.000 unterschiedlichen Varianten war das eine echte Herausforderung.


3. Die Vorgehensweise


Zunächst wurde ein Projektteam zusammengestellt, das aus den Planern und den Verantwortlichen für die einzelnen Montagemodule bestand. Dieses Team wurde in einem ersten Schritt in den Methoden der "Schlanken Produktion" analog Toyota Produktionssystem geschult. In einem Startworkshop für das gesamte Projektteam wurden die Anforderungen an und die Rahmenbedingungen für das neue Logistikkonzept erarbeitet. Anschließend erfolgte die Detailplanung in sogenannten Modulworkshops für die einzelnen Montageabschnitte. Hier ging es in erster Linie um die Zusammenstellung definierter Teilekits, die später termingerecht in den Modulmontagen angeliefert werden sollten. Nach Festlegung der Kitumfänge wurde in Workshops mit dem Schwesterwerk in Bautzen die terminliche Schiene für die Anlieferung der einzelnen Modulkomponenten festgelegt.


4. Das Ergebnis


Nach 12 Monaten Projektdauer, war das Ziel erreicht. Es war klar, in wievielen Kits und welchen Behältnissen welches Material wo in den Modulmontagen steht und wie und wann das Material abgerufen und angeliefert wird. In der Zwischenzeit hatte auch die Umsiedelung in das neue Werk schon begonnen und drei Monate später ging es dann reibungslos in Betrieb.


5. Anzahl Projekttage


Wir hatten den Planungsaufwand auf 100 Tage kalkuliert, die auch eingehalten werden konnten.